„Für mich zählt das Individuelle!“

Ronald Boda im Gespräch mit Contao Austria Redakteurin Christine Szendi

Ronald Boda und ich nutzen die Gunst der Stunde und treffen uns im Juni eine Stunde vor dem regulären Stammtisch im lauschigen Garten des Lokals Bierfink im 16. Bezirk, um etwas über ihn und seine Arbeit zu erfahren. Bei geschmackvollem roten Bier gibt uns der Accessibility-Experte Einblick in seinen Arbeitsalltag rund um Contao. Ronald ist seit dem 1. Stammtisch im Juni 2012 aktives Mitglieder der Contao Austria Community.

Ronald, ich freue mich, dass du dir die Zeit für ein Interview für den Contao Austria Blog nimmst. Du lebst ja in Niederösterreich, stammst du auch von dort?
Nein, nach Niederösterreich bin ich der Liebe wegen gezogen. Aber ich bin hier im 16. Bezirk in Wien geboren und aufgewachsen.
Was war denn dein Berufswunsch als Kind?
Ich wollte seit meinem 7. Lebensjahr Tischler werden. Ich hab dann auch die Tischlerlehre gemacht. Der Geruch, die Textur – Holz hat mich als Kind enorm fasziniert und das tut es bis heute. Holz kann man nicht nur einfach nur anschauen, man muss es angreifen – es heißt ja nicht umsonst: „Ein Tischler sieht mit seinen Händen.“
Trotz aller Liebe für den Werkstoff Holz bist du aber nicht bei der Tischlerei geblieben.
Nein, nach der Lehre und zwei Gesellenjahren war damit auch schon Schluss.
Mitten in der jugendlichen Sturm- und Drang-Zeit?
Ja, die hat sich bei mir besonders durch eine große Liebe zum Tanz und zum Sport gezeigt. 120 Kilometer lange Radtouren am Stück waren für mich damals keine Seltenheit.
Die Bronzeprüfung in den Standardtänzen habe ich ganze 34 Mal, Silber 17 Mal, Gold 8 Mal und Goldstar immerhin auch noch vier Mal absolviert. Jede einzelne Tanzpartnerin schloss die Prüfung mit Auszeichnung ab.
Das kann wohl kaum einer von sich behaupten, lag es da nicht nahe, bei so einer Leidenschaft für den Tanz auch beruflich in den Turniertanz zu gehen?
Ich habe tatsächlich mit dem Turniertanz begonnen. Eine Fußverletzung meiner damaligen Tanzpartnerin hat dem Treiben dann aber nach acht Monaten abrupt ein Ende gesetzt.
Dann sollte es wohl für dich nicht sein mit dem Tanzen. Wie ging es mit dir nach Tischlerei und Tanz dann beruflich weiter?
Der Hauptgrund, warum ich nicht in eine andere Tischlerei gehen wollte, war, dass ich hinaus in die Welt wollte. Und in keiner Berufssparte lässt sich das leichter bewerkstelligen als im Verkaufsaußendienst. Also habe ich eine Zeit lang im Verkauf gearbeitet und Verkaufsstände quer durch Österreich bis nach Deutschland betreut.
Das war, wie man sich vorstellen kann, eine bewegte Zeit, in der ich den Verkauf quasi von der Pike auf gelernt habe. Ich habe gelernt, Menschen in der Sprache anzusprechen, die sie verstehen und sie für meine Produkte zu begeistern.
Viele erfolgreiche Unternehmer haben mit direktem Verkauf begonnen und sagen, dass diese Erfahrungen an der Basis unverzichtbar sind, um den Erfolg eines Unternehmens optimal steuern zu können.
Dass diese Verkaufserfahrung mir auch heute noch nützt, davon bin ich auch überzeugt. Ich habe damals auch gelernt, dass ich nur ein guter Verkäufer sein kann, wenn ich auch selbst vom Produkt überzeugt bin.
Während es früher allerdings Produkte waren, die an sich nicht mehr verändert werden konnten, habe ich heute die Möglichkeit, meine Kunden die Produkte maßzuschneidern. Wenn jemand sagt: Ich brauch das so und so – dann schau ich, dass er das auch genauso bekommt. Dabei achte ich aber immer auch auf die Grundaspekte der Accessibility und versuche diese auch dem Kunden klar zu machen. Das macht dann natürlich noch mehr Freude als der reine Produktverkauf.  
Dir hat also der Direktvertrieb sehr viel Freude bereitet und du hast Spitzenumsätze erzielt, was hat dann dazu geführt, dass du wieder sesshafter geworden bist?
Ich hatte gesundheitliche Probleme und wechselte für eine Zeit lang in den Verkaufsaußendienst eines Regalsystemvertriebs in Wien.
Von 1996 bis 2001 war ich für die Lauda Air im Einkauf tätig, eine Position, die mir sehr zugesagt hat, die allerdings auch, wie viele andere Stellen, den Rationalisierungsmaßnahmen der AUA nach Übernahme der Lauda Air zum Opfer gefallen ist.
Du warst also im Verkauf und im Einkauf tätig und hast damit schon recht umfangreiche Berufserfahrung gesammelt.
Ja, die Erfahrung, die ich zuvor im EDV Einkauf gesammelt hatte, konnte ich bei ACP im Verkaufsaußendienst nutzen. In der damals neu gegründeten Sankt Pöltner Filiale wurden meine Leistungen nach etwa zwei Jahren durch die Aufnahme als Gesellschafter der Firma belohnt.
Aber du bist dort nicht geblieben?
Nein, denn mit dem Börsegang des Unternehmens ging die bis dahin gepflegte familiere Unternehmenskultur verloren.
Das hört man ja von einigen Unternehmen, nachdem sie den Schritt zur Börse gemacht haben. Die sozialen Umstände, das Betriebsklima ist dir also wichtig. Es darf „menscheln“.
Es darf, ja es muss menscheln, damit alle zufrieden sind. Ich mache ja auch keine Webseiten um der Webseiten willen, ich mache Webseiten für Menschen, für deren Bedürfnisse. Das ist in unserer Welt, in der alles vom Fließband kommt, nicht mehr selbstverständlich.
Wie kam es dann dazu, dass du in der Selbständigkeit gelandet bist?
Das war die logische Konsequenz aus der letzten leitenden Position. Warum mache ich das, was ich hier für eine Firma mache, denn nicht auf eigene Rechnung? fragte ich mich. Ich habe die Kunden, gute Kontakte und eine Begeisterung für Programmierung und Webdesign.
Deine Begeisterung für Programmierung und zum Design hat sich also parallel zu deiner beruflichen Tätigkeit in deiner Freizeit entwickelt?
Richtig, entstanden ist das aus einer Spaßgeschichte. Ich bin mit meinen Freunden Go-Cart Rennen gefahren und wir hatten eine Punktevergabe wie bei der Formel 1 – das wollten wir auf einer Webseite auch dargestellt haben, damit jeder nachschauen konnte, wo er gerade in der Rangliste steht.
Du bist an dem Punkt aber nicht gleich bei Contao gelandet?
Nein, mein Interesse an Programmierung und Design begann ursprünglich ja schon in den 80er Jahren – da habe ich in DOS programmiert. In den 90er Jahren dann habe ich meine erste Webseite in html programmiert. Irgendwann bin ich zu Joomla gekommen, war dort aber nie richtig zufrieden. Es gab zu viel im Code zu ändern und der Code selbst war im Hinblick auf Accessibility und Validierung auch nicht sauber programmiert.
Wann und wie bist du dann zu Contao gekommen?
Im Jahr 2010 bin ich von einem Freund auf Contao aufmerksam gemacht worden und ich war vom ersten Tag an fasziniert. Ich habe mir auch Drupal angeschaut, war bei deren Stammtisch, aber das war mir einfach zu kompliziert. Ich habe mich in Contao viel schneller zurecht gefunden und die aktive Community ist etwas ganz Besonderes, das gibt es sonst bei keinem Content Management System.
Ich bin auch sehr froh, dass der Entwickler von Contao deutschsprachig ist und nicht irgendwo in Amerika sitzt, sondern auch Teil der Community und direkt ansprechbar ist.
Nachdem ich Sachbearbeiter für Öffentlichkeitsarbeit und Dokumentation bei der Feuerwehr in meinem Wohnort bin und hier Webseite und den Jahresbericht gestalte, konnte ich Contao für mich gleich produktiv einsetzen und bin sehr zufrieden damit.
Welche Programme, Software und Hardware verwendest du bei deiner Arbeit?
Ich arbeite mit Windows, zum Hochladen verwende ich WinSCP und als Editor verwende ich Notepad++. Grafisches wird in Photoshop oder auch paint.net bearbeitet, für Farbauswahl arbeite ich mit Kuler oder dem Colordesigner.
ich verwende natürlich auch Accessibility-Tools, auf die ich bei meinem VORTRAG am 1. Contao Austria Day eingehen werde.
Wie viel Zeit verbringst du durchschnittlich vor dem Computer?
Das ist ganz unterschiedlich – es gibt Zeiten, an denen ich nur 2-3 Stunden am Tag am Rechner sitze, vor allem dann, wenn ich tageweise als Trainer in der Erwachsenenbildung tätig bin und Microsoft Produkte unterrichte. Wenn ich selbst an einem Projekt sitze, können das schon auch mal 16-18 Stunden am Tag werden.
Nutzt du das deutsche Contao Forum für deine Fragen und Probleme? Beantwortest du auch Fragen?
Ich nutze das Forum nicht mehr so häufig wie am Anfang, und nein, aktiv arbeite ich nicht im Forum mit. Allerdings möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass die Contao Community immer eine große Hilfe ist.
Entwickelst du auch eigene Extensions?
Nein, aber ich helfe gerne mit, die Extensions anderer zu verbessern, indem ich Tipps und Kritik gebe, gerade auch, was die Accessibility betrifft.
Hast du Lieblingsextension im produktiven Einsatz?
Ja, das sind auf jeden Fall der StickyBackendFooter, die Easy Themes und Responsive Images. Im Großen und Ganzen versuche ich aber so wenige Extensions wie möglich einzusetzen und verfolge einen schlichten, klaren Webseitenstil. Es gibt heutzutage so viel technischen Schnick-Schnack, den man einsetzen kann, aber zu oft lenkt dies vom Wesentlichen einer Webseite ab. Ich sage: Erst wenn man nichts mehr weglassen kann, ist eine Webseite gelungen.
Möchtest du uns gerne das eine oder andere deiner Contao-Projekte vorstellen?
Ich habe schon einige Webseiten mit Contao umgesetzt. Dazu gehört natürlich auch die zuvor erwähnte Homepage meiner Feuerwehr in Pyhra. Bei meinem jüngsten Projekt – der Contao Austria Day – Webseite konnte ich auch meine Grundsätze betreffend Accessibility gut einbringen.
Wofür wir dir auch sehr dankbar sind! Wie hast du damals zur Contao Austria Community gefunden – du bist ja auch Stammtischteilnehmer erster Stunde?
Ich habe damals deine Einladung im Contao Forum entdeckt, mich angemeldet und seither bin ich treuer Stammtischteilnehmer. Mir gefällt dieses Miteinander und Füreinander sehr.
Was wünscht dir speziell vom Contao Austria Stammtisch?
Ich wünsche mir einen Gedanken- und Erfahrungsaustausch, Partner für gemeinsame Projekte, neue Kontakte, Unterstützung bei der Lösung komplexer Probleme.
Hast du ein Lieblingsprojekt?
Nein, aber wie gesagt habe ich die Webseite des Contao Austria Day umgesetzt und freue mich schon, an diesem Event einen Vortrag zu Accessibility halten zu können.
Wo siehst du dich beruflich in 10 Jahren, hast du Wunschprojekte, die du umsetzen möchtest?
Ich sehe mich in der Zukunft als Unternehmer, der Webseiten mit Contao für kleine Firmen umsetzt.
Mein Wunsch ist, dass auch Firmen mit kleinem Budget Webseiten haben, die den höchsten Qualitätsansprüchen genügen.
In der Community wünsche ich mir, dass ich den Accessibility-Gedanken in der Community voranbringen und hier unterstützend tätig sein kann.
Das wünsche ich uns auch - danke Ronald für das gute Gespräch!

Ronald Boda in der Mitgliederansicht

Ronald Bodas Website

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Kommentar von Johannes Pichler |

Hey Ron!

Wie cool... Wusste gar nicht, dass du die Tischler-Lehre gemacht hast. Ich ja auch...

Die Tischler-Gesellen hats dann doch in die IT verschlagen.. LOL

LG, Johannes